Dienstag, 1. Mai 2007

Freunde auf Tioman

Die Einheimischen in Tioman sind furchtbat nett. Man erntet eigentlich überall ein Lächeln und wird in Gespräche verwickelt, wenn man ein bisschen offen ist und sich nicht gerade in seiner Hütte einschließt.
Beim Essen habe ich mich oft mit Bushman unterhalten. Der erzählte mir von den Engländern, die noch in den 70er Jahren große Militärstützpunkte auf Tioman unterhielten, und wie er als Kind für die Soldaten Kokosnüsse von den Bäumen holte, im Austausch für ein paar Süßigkeiten. Seinem Großvater erging es weniger gut. Der musste - schon in hohem Alter - Anfang der 40er Jahre für die erbarmungslosen japanischen Besatzer ebenfalls Kokosnüsse vom Baum holen, allerdings als Gefangener. Und weil er zu langsam unterwegs war, schossen ihm die Soldaten von unten ins Bein. Von allen Besatzern, die Malaysia erlebt hat, waren die Japaner mit Abstand die Grausamsten, meinte Bushman.
Weiter warnte er mich vor den Gafahren der Kokospalmen. Zwar konnte er sich nur an zwei Fälle erinnern, wo jemand auf der Insel von einer herabfallenden Kokosnuss getroffen wurde, doch dann besteht wirklich Lebensgefahr, zumal bei den wilden Palmen, die riesige Höhen ereichen.

Eine weitere tolle Bekanntschaft war Nasah, ein Insulaner im selben Alter, den ich zufällig im Dorf traf. Er konnte ganz gut Englisch, so haben wir uns eine Weile unterhalten, und er meinte am Ende "we should make friends" und lud mich am abend an den Strand ein, wo er mit Freunden immer ein Bierchen trinkt. Bier gibt es offiziell im muslimischen Juara nicht, aber ich habe schnell erkannt, dass nicht alles offiziell geregelt wird, zumindest nicht unter den Jugendlichen. Und so saß ich dann abends mit Nasah und anderen Jungs - Frauen haben keinen so freien Ausgang am abend - unter klarem Sternenhimmel am Strand und schlürfte ein Bier. Es stellte sich heraus, dass alle anderen Kerle in der Runde entweder Brüder oder Cousins von Nasah waren. Auf die Frage, wieviel Geschwister er denn habe, zuckte er nur mit den Schultern, und konnte mir auch nach ein paar Minuten keine genaue Angabe machen. Wir näherten uns der Wahrheit dann mit etwa 20 Brüdern und Schwestern.
Am nächsten morgen traf ich ihn noch einmal mit einigen Verwandten, unter schattigen Bäumen sitzend. Zusammen schälten wir dann Mangos und aßen die noch säuerliche Frucht zusammen mit Zuckersirup. Ein Mofa kam angebraust, auf dem ein junger Kerl einen risigen Bambusstab balancierte. Wieder einmal ein Cousin von Nasah.

Am Tag danach verließ ich dann dieses behütete Eiland. Zusammen mit zwei Franzosen aus Paris wagte ich die Rückfahrt im Allradjeep. Obwohl es kurz vorher geregnet hatte und sich an einigen Stellen der Schlamm autohoch neben uns auftürmte, war die Rückfahrt wesentlich angenehmer. Wir hatten einfach ein besserers Auto mit verschiedenen Allradübersetzungen.
Anschließend hatte die Fähre ans Festland erst mal zwei Stunden Verspätung - nichts besonderes im Inselleben - weswegen ich meinen Expressbus Richtung Kuala Lumpur verpasste. Ohne richtige Lust, in dem gottverlassenen Fischerdorf Mersing zu nächtigen, entschloss ich mich, den "local bus" in eine kleine Stadt im Landesinneren zu nehmen, von wo aus dann hoffentlich ein Anschluss nach Melaka bzw. KL zu kriegen war. Dieser local bus war eine klapprige, zusammengezimmerte Kiste, die nirgendwo in Europa hätte fahren dürfen. Und der Fahrer donnerte mit einem selbstmörderischen Tempo durch die kurvenreichen Straße, die wieder durch endlose Palmfelder führte, dass ich oft den Bus schon auf der Seite liegend im Straßengraben sah. Immer wieder waren streunende Hunde auf der Straße, die im letzten Moment einen Satz zur Seite machten. Manchmal saßen Affen am Straßenrand.
Irgendwann stieg eine Schulklasse hinzu. Und ab jetzt war ich umringt von Teenagern und die größte Attraktion im ganzen Bus, der von Touristen normalerweise nie genommen wird. In unverständlichsten Brocken Englisch versuchten die Schüler alles mögliche über mich zu erfahren und gönnten mir keinen ruhigen Blick aus dem Fenster. Bevor sie dann an ihrer Schule ausstiegen, musste ich dann zum Abschied mindestens 10 Hände schütteln und mir ebensoviele Namen merken. Das war ein echtes Erlebnis. Allein deswegen lohnen sich die Wege abseits der Touristenpfade schon.

Ich habe es dann tatsächlich noch bis Melaka auf halbem Weg nach Kuala Lumpur gschafft, wo ich in einer völlig durchgeknallten Unterkunft übernachtete...

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