Der Stau in Kuala Lumpur verlängerte die Fahrt noch etwa um eine Stunde. Danach wurden wir mitten auf der Straße nahe Chinatown aus dem Bus geworfen, weil die Endstation, Puduraya Bus Station, völlig überfüllt war und die Busse davor Schlange standen. Ich stieg aus in die stickige, rußgetränkte Luft um die Busstation und schlug mir durch das Chaos auf den Straßen meinen Weg nach Chinatown, wo die meisten billigen Unterkünfte stehen. Ziemlich k.o. fragte ich gleich ein Mädel auf der Straße nach dem Red Dragon Motel. Sie meinte, da würde sie auch wohnen, das wäre die beste Option in der Stadt, und zeigte auf einen Betonklotz 100 Meter die völlig überfüllte Straße hinunter, auf der gleichzeitig gegessen, gekocht, gefahren und gelaufen wird. Diese "beste Option der Stadt" hatte keine Fenster im Zimmer, und Schimmel an der Decke, dafür aber Air Condition. Man gewöhnt sich wirklich an viel in Punkto Unterkünfte und findet vieles am Ende gar nicht schlimm, zumal man eh nur zum Schlafen im Zimmer ist.

Ein Muss in Kuala Lumpur sind die Petronas Towers, zwei Mamuttürme, die die gleichnamige, staatliche Ölgesellschaft des Landes Ende der 90er in nur zwei Jahren gen Himmel schießen ließ. Dieses 450 Meter hohe Gebäude, dass bei seiner Fertigstellung das höchste Gebäude der Welt war, jetzt aber vom Taipeh Tower 101 in Taiwan, und künftig von einem babylonisch anmutenden Riesenbauwerk in Dubai überflügelt wird, ist schon ziemlich imposant. Man kann es praktisch von überall in der Stadt sehen. Ich habe sowohl die obligatorischen Touribilder vor den Twin Towers gemacht, als auch einen Ausflug auf die Verbindungsbrücke im 40. Stock gemacht, die die zwei Bürotürme miteinander verbindet. Vor der Fahrt nach oben, überschüttet sich Petronas
noch in einem 3D-Film mit mächtig viel Eigenlob und Stolz. Scheinbar kann man Leute immer noch massenweise freiwillig für eine 15-minütige Firmenwerbung begeistern, wenn sie denn nur in 3D gezeigt wird.
Außerdem war ich dann noch auf dem Fernsehturm der Stadt, von wo aus man einen tollen Rundumblick über die Stadt hat. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten in Sichtweite werden einem dabei über Kopfhörer beschrieben. Der Aufstieg zum Turm führt, wenn man nicht das Taxi nimmt, durch ein schönes Stück Resturwald, den die Stadtverwaltung erhalten hat.
Wie sich herausstellte, hatte ich mir genau das richtige Wochenende für meinen Aufenthalt in KL herausgesucht. Kurz zuvor war ein neuer König bestimmt worden. Bei diesem Ritual wählen die 13 Sultane von Malaysia einen neuen König oder bestätigen den Alten. Obwohl der König mehr oder weniger nur repräsentative Funktionen hat, wird er von der Bevölkerung vergöttert und sein Wort zählt viel in der malaiischen Gesellschaft. Somit stehen auch, ähnlich wie in Thailand, auf Beleidigungen des Königs hohe Gefängnisstrafen. An diesem Wochenende sollten nun die Krönungsfeierlichkeiten auf dem Merdeka Square, dem prächtigen Zentralplatz der Hauptstadt stattfinden. Aus diesem Anlass wurde die Innenstadt schon einen Tag vorher gesperrt, weshalb der Verkehr und das Chaos auf den Straßen noch unerträglicher wurde als sonst.
Zusammen mit zwei netten Schweizerinnen, die ich im Motel kennengelernt hatte, ging ich frühzeitig vor Beginn der Zeremonie an den Merdeka Square. Bei unserer Ankunft probte gerade eine Kapelle von zweifelhafter Qualität ein letztes Mal einige pathetische Marschformationen. Das Gelände war weiträumig abgesperrt, eine große Bühne war aufgebaut, und gegenüber ein prächtig hergerichtets, offenes Zelt mit einigen Sesseln und zwei besonders Großen, offenbar für den König und seine Frau. Flankiert wurde das Zelt von zwei weiteren Zelten für VIP-Gäste. Zusammen mit anderern Zuschauern, fast ausschließlich Malaien, wurden wir angewießen, uns vor der Absperrung zur Bühne auf den Boden zu setzen. Es war drückend heiß, und wir mussten eine Stunde ausharren, bevor es losgehen sollte. Ich spielte schon mit dem Gedanken wieder zu ghehen.

Kurz vor dem offiziellen Beginn - einige Botschafter und Würdenträger waren schon über die Straße hereinmarschiert - stiegen dann plötzlich alle Leute vom Boden auf. Ich dachte schon: Super, das ganze Warten und jetzt werden wir weggeschickt. Doch dann sah ich wohin. Die Masse auf dem Boden wurde zu den VIP-Sitzen links und rechts des Königszeltes geleitet. Dort standen bequeme, gepolsterte Stühle, die mit tadellos weißen Stoffbezügen umwickelt waren. Auf jedem Stuhl stand eine große Papiertüte mit Obst, Gebäck, Wasser und anderen Geschenken. Ja, und dann habe ich die ganze Parade von einem dieser Stühle aus nächster Nähe, und angenehm von Ventilatoren gekühlt, miterlebt.

Zunächst kam eine Polizeieskorte an der Bühne entlang, danach ein geschmückter Elephant, der für Stärke steht, und die Ankunft des Königs verheißt. Vor lauter Menschenmassen und Journalisten, die um das königliche Gefährt und später um das Königszelt herumstanden, konnte ich nicht sicher sagen, ob ich seine Majestät denn nun wirklich gesehen habe.
Aber ich genoss die Show, die mit einem irrsinnigen Aufwand betrieben wurde. Zahllose Tanzgruppen in tollen farbenfrohen Gewändern präsentierten ihre ausgefallenen Darbietungen. Dabei wurde der multikulturelle Charakter des Landes stets betont, denn jede Volksgruppe war mit ihren eigenen traditionellen Tänzen vertreten. Da waren Chinesen mit Papierdrachen, orientalische Tänzerinnen, indische Vertreterinnen mit schönen Gewändern und die Orang Asli, die Ureinwohner Malaysias, die heute noch in den letzten, großen Dschungelreservaten des Landes leben. Insgesamt eine sehr beeindruckende Veranstaltung, die von einem pompösen Feuerwerk abgerundet wurde.
Nach diesen Highlights unternahm ich noch einige Streifzüge durch die Stadt, besuchte Moscheen, und aß einige Male köstlich indisch vegetarisch.
Da ich nach der ständigen drückenden Hitze wirklich mal Lust auf angenehmere Gefilde hatte, wählte ich als nächste Station die Cameron Highlands, jenes bis zu 1800 Meter hoch gelegenes Gebiet im Inneren des Landes, wo ein gemäßigtes Klima vorherrscht.
Hier muss ich noch ganz stolz den Stuhl präsentieren, auf dem ich saß!


Wie sich herausstellte, hatte ich mir genau das richtige Wochenende für meinen Aufenthalt in KL herausgesucht. Kurz zuvor war ein neuer König bestimmt worden. Bei diesem Ritual wählen die 13 Sultane von Malaysia einen neuen König oder bestätigen den Alten. Obwohl der König mehr oder weniger nur repräsentative Funktionen hat, wird er von der Bevölkerung vergöttert und sein Wort zählt viel in der malaiischen Gesellschaft. Somit stehen auch, ähnlich wie in Thailand, auf Beleidigungen des Königs hohe Gefängnisstrafen. An diesem Wochenende sollten nun die Krönungsfeierlichkeiten auf dem Merdeka Square, dem prächtigen Zentralplatz der Hauptstadt stattfinden. Aus diesem Anlass wurde die Innenstadt schon einen Tag vorher gesperrt, weshalb der Verkehr und das Chaos auf den Straßen noch unerträglicher wurde als sonst.
Zusammen mit zwei netten Schweizerinnen, die ich im Motel kennengelernt hatte, ging ich frühzeitig vor Beginn der Zeremonie an den Merdeka Square. Bei unserer Ankunft probte gerade eine Kapelle von zweifelhafter Qualität ein letztes Mal einige pathetische Marschformationen. Das Gelände war weiträumig abgesperrt, eine große Bühne war aufgebaut, und gegenüber ein prächtig hergerichtets, offenes Zelt mit einigen Sesseln und zwei besonders Großen, offenbar für den König und seine Frau. Flankiert wurde das Zelt von zwei weiteren Zelten für VIP-Gäste. Zusammen mit anderern Zuschauern, fast ausschließlich Malaien, wurden wir angewießen, uns vor der Absperrung zur Bühne auf den Boden zu setzen. Es war drückend heiß, und wir mussten eine Stunde ausharren, bevor es losgehen sollte. Ich spielte schon mit dem Gedanken wieder zu ghehen.
Aber ich genoss die Show, die mit einem irrsinnigen Aufwand betrieben wurde. Zahllose Tanzgruppen in tollen farbenfrohen Gewändern präsentierten ihre ausgefallenen Darbietungen. Dabei wurde der multikulturelle Charakter des Landes stets betont, denn jede Volksgruppe war mit ihren eigenen traditionellen Tänzen vertreten. Da waren Chinesen mit Papierdrachen, orientalische Tänzerinnen, indische Vertreterinnen mit schönen Gewändern und die Orang Asli, die Ureinwohner Malaysias, die heute noch in den letzten, großen Dschungelreservaten des Landes leben. Insgesamt eine sehr beeindruckende Veranstaltung, die von einem pompösen Feuerwerk abgerundet wurde.
Nach diesen Highlights unternahm ich noch einige Streifzüge durch die Stadt, besuchte Moscheen, und aß einige Male köstlich indisch vegetarisch.
Da ich nach der ständigen drückenden Hitze wirklich mal Lust auf angenehmere Gefilde hatte, wählte ich als nächste Station die Cameron Highlands, jenes bis zu 1800 Meter hoch gelegenes Gebiet im Inneren des Landes, wo ein gemäßigtes Klima vorherrscht.
Hier muss ich noch ganz stolz den Stuhl präsentieren, auf dem ich saß!
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