Donnerstag, 31. Mai 2007

Mit Thai-Piloten um die Inseln

Jetzt aber endlich zu den Piloten!
Als ich eines Nachmittags über den malerischen Nachbarstrand von Rayleh geschlendert bin, traf ich Pik, ein Mädchen, das als Apothekerin in einer Airbase im Norden Thailands arbeitet. Sie erzählte mir, dass sie gerade mit einer Gruppe Piloten von ihrem Stückpunkt auf einem 3Tagestrip im Süden Thailands ist. Sie bot mir an, am nächsten Tag mit auf eine Bootstour nach Ko Phi Phi und etliche andere Inseln zu kommen. Ihre Gruppe hätte ein Boot gemietet. Da ich sowieso mal Phi Phi sehen wollte, aber nicht unbedingt dort übernachten wollte, sagte ich sofort zu.
Selbstverständlich wurde ich am abend vor der Tour dann auch noch ins Resort eingeladen, wo sich die Piloten mit ihren Frauen bzw. Freundinnen einquartiert hatten (Letztere sollen alle mindestens 25 sein, was ich nie gedacht hätte). Es war eine Gruppe von etwa 20 Leuten, die am Strand um einen großen Tisch herum thailändische Trinkspielchen veranstalteten, die den europäischen ziemlich ähnlich sind. Ich wurde sofort herzlich in den lustigen Kreis aufgenommen, und kein einziger von ihnen verzog das Gesicht bei dem Gedanken, dass ich als einziger Außenstehender mit dabei war und sie am nächsten Tag auf der Tagestour begleiten würde. Stattdessen mühten sie sich ab, die Spiele für mich auf Englisch weiterzuspielen, obwohl einige von ihnen sichtbar größte Schwierigkeiten damit hatten. Das war dann aber auch für die Stimmung ziemlich förderlich (festgehalten auf dem Foto nebenan) Nach ein paar Stunden und einigen Gläsern undefinierbarer, thailändischer Schnäpse verabschiedete ich mich herzlich bis zum nächsten morgen. Sie wünschten mir eine gute Nacht und luden mich natürlich auch noch zum Frühstück am nächsten morgen ins Resort ein.

Nach jenem ausgiebigen, leckeren Frühstück stiegen wir dann in Rayleh West in das windschnittige Speedboat, auf dem der Skipper und sein Sohn schon auf uns warteten. Die beiden hätten eine Parodie auf die Hobbits aus Herr der Ringe sein können. Bei ihren dicken Füßen und runden Körpern musste ich immer wieder schmunzeln, ohne eine Idee, was das für ein Volksstamm hätte sein können.
Nachdem alle an Bord gekommen waren und in Bug und Heck Platz genommen hatten ging es los. Die Leistung von zwei 220PS Yamaha V6 Motoren peitschten das Boot im nächsten Augenblick über das Wasser und lösten bei den Passagieren teils freudige, teils panische Schreie aus (Ich meine die Jungs müssen ja einiges gewohnt sein wenn sie sonst mit einer F16 durch die Luft heizen). Bei jeder Welle hob das Boot ab und knallte dann mit ziemlicher Wucht zurück auf die Wasseroberfläche, als ob man auf Beton aufkommen würde. Im offenen Bug hatte man größte Not sich am Boden zu halten und blaue Flecken zu vermeiden. Anfangs machte ich mir wegen der Erschütterungen einige Sorgen um die Stabilität des Bootes, aber der coole bis gelangweilte Gesichtsausdruck des Hobbits trugen dann schon einigermßen zu meiner Beruhigung bei. Immer wenn wir ein Etappenziel erreichten, rieß der Hobbit das Ruder komplett in eine Richtung, so dass das Boot unter dem Geschrei der Insaßen mit maximaler Schräglage, einer großen Welle und einem rasanten Bogen zum Stehen kam.

Unser erster Stop war an einer Felsformation im türkisfarbenen Wasser, wo wir schnorcheln konnten. Bewaffnet mit Teig konnten wir zuschauen, wie die verschiedenen, bunten Fische uns die Narung buchstäblich aus den Händen aßen. Dennoch war es fast unmöglich einen Fisch direkt zu berühren, denn die Schwimmmeister waren einfach zu flink. Es war schon beeindruckend, wenn einem ein Schwarm prächtiger Fische entgegenkommt und dann elegant um einen rummanövriert. Als wir ein zweites Mal auf hoher See schnorchelten waren die Artenvielfalt noch beindruckender. Ich kam teilweise aus dem Staunen nicht mehr raus und machte unter Wasser entzückte Gluckergeräusche. Ich kenne mich ja in der maritimen Welt nicht aus, aber da waren schon ein paar große Exemplare an Fischen dabei, und auch ein paar Nemo-ähnliche :-)

Weiter führte uns die Tour (bei glücklicherweise prächtigem Wetter) vorbei an schönen Felsformationen in eine Art Sackgasse im Meer, die auch "Der Raum" genannt wird. Eine kleine Passage zwischen zwei Felsen führt bei niedrigem Untergrund in eine schöne Felsbucht, die sozusagen nur einen Zugang hat. Bilder davon unterhalb.


Der nächste Stopp war dann die Touristenattraktion schlechthin. Der Strand, an dem sich Schmalzdarsteller Leonardo diCaprio einst an "The Beach" wälzte. Dieser ist in der Tat wunderschön, hat sich in der Zwischenzeit aber in eine absurde Szenerie aus Fressständen, unzähligen knipsenden Touristengruppen aus der ganzen Welt und heulenden Schnellbooten verwandelt. Schade um den schönen Ort.



Danach ging es noch über einige unbewohnte, keine Inseln mit weißen Stränden, die tatsächlich von einer Postkarte stammen könnten. Auf einer von ihnen gabs dann auch Mittagessen vom Boot und eine Traumkulisse. An einem dieser Strände hatte ich dann auch meinen Rucksack für einen kleinen Badegang abgelegt. Als ich nach zehn Minuten aus dem Wasser rauskam, war der Rucksack dann unter Wasser und alle Elektronik darin außer Gefecht. Keine Ahnung wie das passieren konnte. (Mittlerweile sind aber 10 Tage vergangen und ich habe wieder eine Kamera und funktionierendes Handy)


Zu guter Letzt waren wir noch auf Ko Phi Phi, auch nicht schlecht, mittlerweile aber einfach over-developed.
Nach diesem anstrengenden Programm kamen wir dann alle ziemlich erschöpft mit einer letzten lauten Achterfahrtdarbietung der Hobbits zurück in die Bucht von Rayleh geheizt. Ich verabschiedete mich von meinen Freunden auf dem Boot, die am nächsten morgen dann schon wieder zurückfliegen mussten. Für den Fall der Fälle, dass ich mal Lust kriege, eine F16 auszuprobieren, habe ich mir ein paar Kontaktdaten aufgeschrieben :-)

Soviel für heute, bin auch schon wieder total müde vom Tippen. Alles Gute an euch und bis zum nächsten Mal!

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