Samstag, 16. Juni 2007

Welcome to the Kindom of Cambodia


Das war mein erstes Bild von Kambodscha - der Grenzübergang Poi Pet, an dem man von Thailand aus in eine andere Welt überwechselt. Noch vor zehn Jahren wäre dieser Übergang selbstmörderisch gewesen, denn der 600 km lange Grenzabschnitt zu Thailand galt als einer der am stärksten verminten Gebiete der Erde. Mitte der 80er Jahre wurde hier der sogenannte K5 Minengürtel mit Millionen von Sprengkörpern gelegt, um den Roten Khmer (s. später) die Nachschubwege abzuschneiden. Auch heute geht man noch von einigen Millionen Minen aus, die über Kambodscha verstreut sind, ein Dokument der jahrzehntelangen blutigen Auseinandersetzungen in diesem kleinen Land. Erst wurde Kambodscha Opfer des Vietnamkrieges. Ab Ende der 60er Jahre bombardierten die Amerikaner mit ungekannter Intensität den Ostteil des Landes, der als Versorgungsweg des Vietcong galt. Gleichzeitig installierten sie eine prowestliche Militärdiktatur unter Marshall Lon Nol. Als Mitte der 70er Jahre sich die Amerikaner nach herben Verlusten aus Vietnam zurückzogen, ließen sie auch Lon Nol fallen. Seine kambodschanischen Regierungstruppen waren ohne die US-Militärunterstützung hilflos dem feindseligen Umfeld ausgeliefert. 1975 besetzten die Roten Khmer, die kommunistischen Partisanen unter ihrem Führer Pol Pot, die aus dem Norden des Landes schon jahrelang Angriffe auf Lon Nols Truppen starteten, im Handumdrehen die Hauptstadt Phnom Penh. Was daraufhin folgte war eine vierjährige Terrorherrschaft und einer der schlimmsten Völkermorde der Geschichte, dem mindestens zwei Millionen Khmer zum Opfer fielen. Erst 1979 wurden mit der vietnamesischen Invasion die Roten Khmer entmachtet, blieben aber als Gruppierung noch bis Anfang der 90er Jahre bestehen. Ein einigermaßen friedliches Leben ist in Kambodscha auch erst seit dieser Zeit möglich.
Soweit mein Kurzüberblick der Geschichte. Wenn man dieses Land intensiver bereist und mit den Leuten redet, kommt man nicht umhin, sich mit dieser brutalen Geschichte auseinanderzusetzen. Man erkennt sie zwar nicht auf den immer fröhlichen und gut gelaunten Gesichtern, aber bei genauerem Hinsehen trägt jeder im Inneren eine Last mit sich herum. Praktisch jede Familie hat Opfer aus der Zeit der Roten Khmer zu beklagen.
Kambodscha öffnet sich langsam dem Tourismus. Im Moment kann man noch der erste sein, der eine der schönen Provinzen bereist, wenn eine neue Straße gebaut wurde, oder ein anderes Gebiet von Minen befreit wurde. Nachdem ich die thailändische Grenzkontrolle passiert hatte, kam hinter dem Checkpoint gleich ein kambodschanischer Beamter auf mich zu. "Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass die Kinder dort drüben so tun, als würden sie Ihnen Hilfe anbieten, sie aber vermutlich bestehlen wollen. Halten Sie sich fern von ihnen." Er meinte eine Gruppe von 6-12 jährigen Kindern in zerrissenen, dreckigen Shirts, die auf dem kleinen Streifen Grenzland im Staub saßen. Als ich mich zu Fuß den Streifen entlangbewegte, kamen die kleinen Gestalten auch schon auf mich zu und versuchten mir Sonnenschirme über den Kopf zu halten, was schon an der Größe scheiterte. Ich winkte sie deutlich weg, und dann wars auch weiter kein Problem mehr. Nach dem kambodschanischen Checkpoint empfing mich dann das Bild, das ihr oben seht. Menschen ziehen Holzkarren über den staubigen Boden, Ochsen ziehen größere Karren mit Erntegut hinter sich her und kleine, rostige, motorisierte Gefährte befördern eine schwindelerregnde Anzahlt von Menschen. Plötzlich wirkt das Schwellenland Thailand wie die modernste Industrienation.
Als es darum ging ein Transportmittel zu meinem ersten Zielort Battambang zu finden, wurde ich von drei potentiellen "Dienstleistern" gleichzeitig bequatscht. Sie redeten allesamt auf mich ein, bis ich kein Wort mehr verstehen konnte. Jeder versuchte mich glauben zu machen, er hätte das beste Angebot. Einer von ihnen war Regierungsvertreter mit offiziellem Ausweis und warnte mich davor, die halsbrecherischen Touren der anderen Anbieter mitzumachen, die von Provision leben und einem die schlimmste, ermüdenste Fahrt bescheren, damit man dann bei der Ankunft in der Nacht erschöpft in ihrem Hotel übernachtet. Ich vertraute dem Regierungsmann und wählte sein Angebot: Ein klimatisertes, japanisches Auto mit Ledersitzen, das in der Fahrrad- und Mofa dominierten Umgebung wie ein Fremdkörper aussah. Aber sicherlich war es die bequemste Alternative.
Die ersten 50 km Straße hinter der Grenze kann man guten Gewissens als katastrophal bezeichnen. Ein Meer aus Schlamm und Schlaglöchern. Unmöglich hier Bilder zu schießen, ich hatte alle Mühe mir nicht den Kopf anzuschlagen. Mein Fahrer, ein Einheimischer mit Strohhut und großer, goldumrandeten Brille lachte jedes Mal seltsam vor sich hin, wenn ich ihn auf Englisch ansprach. Er wäre die Bestbesetzung für einen Entführer gewesen. Ohne Möglichkeiten der Kommunikation hoffte ich einfach, dass er mich auch wirklich in Battambang abliefern würde und genoss die flache, weite Landschaft.
Auf dem Weg hielten wir bei einer Polizeistation und ein Mann stieg hinzu. Er war in zivil, aber am Ende vermutete ich, dass er zum Schutz anwesend war. Die Regierung war wirklich sehr bemüht, ihren Gästen ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Ich nehme an, in früheren Jahren war die Grenze bei Poi Pet weniger angenehm zu überqueren. Nach drei Stunden Fahrt wurde ich dann tatsächlich vor einem netten Hotel in Battambang abgesetzt. Endlich Zeit sich wieder mal auszuruhen, und am nächsten Tag tauchte ich dann zum ersten Mal richtig ein in das Land.

Mittwoch, 13. Juni 2007

Bangkok und Ayuthaya in Kurzfassung

Da ich schon lange in Kambodscha bin, kürze ich meine letzte Thailandzeit hier mal ab. Über Bangkok wird sowieso jeder irgendwann mal stolpern. Über die extravagante Lady, der ich in dieser Woche begegnet bin, wohl nicht jeder.
Ach ja, ich habe mir dann dort eine Kamera gekauft. Deshalb hier nur mal ein paar repräsentative Bilder für den exquisiten Aufenthalt.






In Ayuthaya, der alten Hauptstadt Thailands wollte ich mir eigentlich die alte Festung und Tempel anschauen. Aber ich war nur damit beschäftigt meine Erkältung auszukurieren, die ich mir vermutlich in Bangkok bei einem Flipflop-Gang durch eine unterkühlte Disko geholt habe.
Nach meinem Genesungsaufenthalt in Ayuthaya startete ich dann den Angriff in Richtung kambodschanische Grenze. Was es in diesem Land alles zu sehen gibt (bin gerade in Phnom Penh) gibts dann ab dem nächsten Eintrag zu lesen. Nur soviel: Die Unterschiede zu meinen letzten Reiseländern sind gravierend.

Ko Phangan - Megaparties und Hängematten

Mein Örtchen auf Ko Phangan war fantastisch. Klein, nicht überlaufen, direkt an einem herrlichen Strand mit Hängematten und Baumschaukeln und selbstverständlich mit einer guten Anzahl an Raggaekneipen mit gemütlichen Insulanern und noch mehr Hängematten.
Hier ließ ich dann erst mal wieder die Seele baumeln, spazierte am Strand, schlürfte Fruchtdrinks und spielte Vier Gewinnt (an vielen Bars verügbar ;-). An zwei Tagen mietete ich mir dann einen hübschen pinken 125er Roller und erkundete die Inse auf zwei Rädern. Ko Phangan hat für meine Begriffe genau den richtigen Entwicklungsstand. Man kommt mit dem Motorrad in die meisten Ecken, aber die Straßen sind nicht so gut, als dass sie mit dicken Touristenbussen überrollt werden könnten. Also perfekt.
Ich fuhr zu dem berühmten Fullmoonstrand, an dem bei jedem Vollmond die ganze Nacht durchgetanzt wird (ein Spektakel dass ich verpasste, und ich war nicht sonderlich truarig drum). Weiter ging es noch zu einem Tempel und einem Flußlauf, an dem die alten Könige Thailands immer ihr Urlaubsquartier hatten und sich dort auch auf Felsen verewigt hatten. Auf dieser Strecke war kein Mensch anzutreffen. Auf dem Rückweg hielt ich an einer winzigen Hütte, wo ein alter Mann einige Getränke verkaufte. Erst nachdem ich ihm vergeblich mit Gesten erklären wollte, dass ich etwas Wasser zum Hände waschen brauchte, bemerkte ich dass er blind war. Aber auf seinem Grundstück lief er zielsicher herum und führte mich schließlich zu einem Wasserbottich. Ich bestellte eine Cola und er erzählte mir ein paar Eckpunkte aus seinem Leben, wobei ich all meine Interpretationskünste brauchte. Wenn er merkte, dass ich ihn verstanden hatte, lachte er übers ganze Gesicht. Auch ihm versprach ich fest, bald wieder einmal nach Ko Phangan zu kommen. Zum Abschied sagte ich ihm noch meinen Namen und als ich mich schon auf den Roller geschwungen hatte, schaute ich noch einmal zurück. Da saß er in seinem rostigen Klappstuhl, der Kopf auf die Brust gesunken und wiederholte leise murmelnd meinen Namen, wohl um ihn sich einzuprägen. "Frank...Frank..." Echt rührend, die Szene werde ich nicht vergessen.
Auf dem Rückweg überquerte ich noch einmal die halbe Insel und immer wieder gab es atemberaubende Blicke, die einen zum Anhalten zwangen. Weite, grüne, hügelige Palmenwälder, dahinter das blau glitzernde Meer und in der Ferne die Umrisse von Ko Samui zum Beispiel. Ich fluchte über den Verlust meiner Kamera. Am zweiten Tag entdeckte ich dann noch einige hübsche, total verlassene Strände. Auf Ko Phangan kann man sie noch finden, zumindest in dieser Jahreszeit.
Nach diesen fünf Tagen Ruhe auf Ko Phangan machte ich mich dann auf den Weg nach Bangkok, erst mit dem Boot aufs Festland und dann im Nachtbus (der wenig zum Schlafen taugte) den langen Weg in die Hauptstadt.

Montag, 11. Juni 2007

Abenteuer auf dem Weg zur Insel

Auf meinem Weg nach Ko Phangan machte ich kurz Halt in der größeren Nachbarinsel Ko Samui, weil ich hoffte da vielleicht eine Kamera zu finden. Leider vergeblich. Was ich fand waren heiße Asphaltstraßen, Schultern zuckende Verkäufer in Fotoläden und unattraktive Europäer mit hübschen Asiatinen an der Seite. Also nichts wie zurück auf die Fähre!
Ich kam dann um 5 Uhr nachmittags auf Ko Phangan an. Um zu dem Strand im Nordosten zu kommen, der mir empfohlen wurde, musste ich ein "Taxi" nehmen. Da aber sonst keiner um diese Uhrzeit dieses Ziel mit mir teilte, wollten die Fahrer 1000 Baht (20 Euro!) von mir alleine. Und auch nach langer Debatte wollten sie nicht für einen Cent weniger über die schlechte Straße an diesen abgelgenen Strand fahren.
Da ich wenig Lust hatte in dem Ankunftsort eine Nacht festzusitzen, musste ich mir was einfallen lassen. Nach langem Gerede mit den Taxifahrern nahmen sie mich für einen vernünftigen Preis bis an die Abzweigung zur schlechten Straße mit. Von dort aus wollte ich mich dann per Anhalter durchschlagen. Das meiste, was den Schotterweg in einer Stunde entlangkam, waren aber alte Mofas, was mit meinem Gepäck unmöglich funktionieren konnte. Einige wenige Jeeps bretterten einfach an mir vorbei. Und es wurde dunkel...
Irgendwann bemerkte eine Gruppe Jugendlicher in einem Restaurant nebenan mein Dilemma. Sie winkten mich her und ich versuchte ihnen begreiflich zu machen wo ich hinwollte und das es jetzt sein musste. Nach 10 Minuten wollte ich schon aufstehen und mich einquartieren, als plötzlich ein moderner Pickup angebraust kam. Die Kids zeigten auf das Auto und nannten meinen Zielort. Gerettet! Ich hätte ihnen um den Arm fallen können. Die ganze Gruppe stieg auf das Auto, acht hinten auf der Ladefläche und vier im Fahrerraum. Ich durfte natürlich auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Den Fahrer schätzte ich ungefähr auf 15 Jahre.
Und so ging es mit westlicher Technomusik und lautem Gelächter der Jugendlichen bei Nacht über die Insel. Wir waren das einzige Fahrzeug weit und breit und die Scheinwerfer beleuchteten schwach die staubige, hügelige Straße (diese war noch wesentlich besser als die auf Tioman). Plötzlich blieb mir das Herz stehen. Hinter der nächsten Kurve lag plötzlich ein großer Pickup im Graben, auf der Seite, die Scheinwerfer gegen den Erdwall gerichtet, der beiderseits der Straße aufragt. Unser Fahrer machte eine Vollbremsung und fuhr dann langsam an dem verunglückten Wagen vorbei. Ich dachte schon wir würden im nächsten Augenblick schwer Verletzte aus dem Auto ziehen müssen, oder schlimeres. Aber das Auto war leer. Vermutlich konnten die Insaßen sich also selbst befreien. Unser Fahrer zuckte die Schulter und drückte wieder aufs Gaspedal.
Als ich dann endlich meinen kleinen Ort am Strand erreicht hatte, war ich heilfroh und dankte den Teenies mehrfach und wollte ihnen eine kleine Summe Baht zustecken. Aber ich hatte ihren Geschäftssinn unterschätzt. Sie forderten eine viel größere Summe und erst nach fünf Minuten konnten wir uns auf einen angemessenen Preis einigen. Die Kids lernen schnell in Thailand...

Samstag, 9. Juni 2007

Begegnungen im Kao Sok National Park

Früh morgens verließ ich mein Ghuest House in Phang Nga um möglichst früh den Kao Sok National Park zu erreichen, wo ich ein paar erfrischende Trekkingtouren unternehmen wollte. Der klapprige Bus, der um 8 Uhr vom staubigen Busbahnhof von Phang Nga abfahren sollte, wollte sich aber bis um 9 Uhr nicht in Bewegung setzen. Zu dieser Zeit war es bestimmt schon 30 Grad im Inneren und ungeduldig beobachtete ich den Fahrer, der schon seit einer Stunde unbeweglich aus dem Fenster schaute. Endlich haute er den ersten Gang rein, machte sich aber noch einen Spaß daraus, drei mal aus der Haltestelle raus- und wieder reinzufahren, um ja niemanden zu vergessen.
Während der Fahrt wurden die Insaßen - oder zumindest ich - obgligatorisch mit thailändischer Popmusik in höchster Lautstärke gequält. Dem kann man auch in praktisch keinem thailändischen Bus entgehen. Die Frage ist nur, ob man das Glück hat, nur beschallt zu werden, oder ob über Fernseher auch noch visuelle Übeltaten in Form von schmalzigen Sängervisagen, schlecht gespielten Eifersuchtsszenen und Karaoke-Untertiteln hinzukommen. In jedem Fall sind die Lieder furchtbar kitschig und hören sich alle gleich an. Wirklich kein Spaß! Nie zuvor hatte ich den Verlust meines Handys, und damit meines mp3-players, so bereut.
Nach vier Stunden Fahrt durch wieder mal schöne Landschaft und mit einem Pfeifen im Ohr, wurde ich dann an der Abzweigung zum Nationalpark aus dem Bus geworfen. Die letzten zwei Kilometer ließ ich mich per Anhalter auf der Ladefläche eines Pick-ups mitnehmen.
Die Zufahrtsstraße zum Nationalpark ist gespickt von kleinen, netten Gästehäusern und endet in einem kleinen Ort, der schön in die Landschaft integriert ist. Von dort kann man dann zu Fuß in den Park laufen und verschiedene Touren unternehmen. Dies tat ich dann am nächsten Tag, und bahnte mir meinen Weg zu einigen Wasserfällen und Bademöglichkeiten im Fluß. Auf dem Rückweg traf ich dann (wieder einmal) einen Franzosen, namens Pierre. Seine Art war mir super sympathisch. Wir unterhielten uns den Rest des Tages, und trafen uns am abend noch mal zu einem Bier in der Ortschaft. Am Nachbartisch gab eine Gruppe junger Amerikaner peinlichstes Pauschaltouristenverhalten zum Besten, das eigentlich eher nach Phuket gepasst hätte. Wir konnte uns beide nicht erklären, was diese Chaoten in einem Nationalpark (der ja im weitesten Sinne zum Kulturgut gehört) zu suchen hatten, und lästerten pausenlos auf Französisch ab, in der sicheren Gewissheit, dass uns keiner sonst verstehen konnte. Die deutsch-französische Achse, die entente cordiale, die ja mit dem Amtsantritt von Nicolas Sarkozy offiziell aufgekündigt wurde, schien an diesem abend an unserem Tisch weiterzuleben und ich begann schnell, meine Zeit in Frankreich zu vermissen. Es war wirklich schön, nach langer Zeit wieder einmal einen so ähnlich tickenden Europäer zu treffen.
An meinem letzten Tag in Kao Sok machte ich noch abseits des Parkgeländes eine Tour durch die Gegend. Ein kleiner Fluß mit leichter Strömung, den ich später für eine herrliche Abkühlung nutzte, schlängelte sich durch eine traumhaften Landschaft aus sonnigen Wiesen, dicht bewachsenen Felsmassiven, kleinen Seen mit Lotusblüten und Obstbäumen. Wieder einmal hoffte ich, dass mein Analogapparat mich an dieser Stelle nicht im Stich lassen würde. Die Tour führte mich zu einem Tempel, der friedlich und abseits der Touristenpfade zwischen einigen Felsformationen lag. Auf dem Vorplatz vollführte eine große Affenpopulation ein lustiges Spektakel und versuchte, mir alles Eßbare abzunehmen. Ein paar Mönche mit den bekannten, orangefarbenen Gewändern blickten scheu aus ihren Barracken. Ein Mann in ziviler Kleidung kam auf mich zu und führte mich auf mein Fragen hin über die Tempelanlage. Er konnte kaum Englisch, aber ich entnahm seinen wenigen Worten, dass er wohl früher ein Mönch war und jetzt wieder als normal sterblicher unterwegs war. Ich dachte bisher, Mönch wäre eine Verpflichtung fürs Leben. Zumindest war sie das für den Mann, den mir der ehemalige Mönch in einer Felshöhle zeigte. Hier stand neben einigen Buddhastatuen und Opfergaben ein Steinsarg mit einem gläsernen Deckel. Durch das milchige Glas konnte ich die Leiche eines Mönches sehen, der vor 20 Jahren gestorben war und so etwas wie der Lehrmeister dieses Tempels gewesen sein musste. Nach dieser nachdenklich stimmenden Privatführung dankte ich dem Mann, und bahnte mir meinen Weg durch das Affentheater auf dem Vorplatz zurück zum Kao Sok Örtchen.
Die jungen Burschen, die mein Gästehaus leiteten, überraschten mich bei meiner Rückkehr noch mit einem interessanten Fang. Einer von ihnen hatte ein echsenartiges Reptil in der Hand, etwa 20 cm lang. Eine sogenannte Flugechse. Wenn man sie in die Luft wirft, breitet sie zwei Flughäute zwischen Fuß und Rumpf aus und segelt damit sicher zurück zu Erde. Grinsend reichte der Junge mir das Tier herüber, um mich auch mal ausprobieren zu lassen. Und in der Tat: Der Fallschirm funktionierte auch bei mir :-)

Donnerstag, 7. Juni 2007

TouristenTerror am James-Bond-Felsen

Nach meinem ausgiebigen Aufenthalt im Krabi District fuhr ich die Küste weiter hinauf nach Phang Nga, das Zentrum der gleichnamigen Bucht zwischen Phuket und Krabi. Die Bucht könnte man als kleinen Bruder der berühmten Halongbucht in Vietnam sehen. Sie besteht aus tausenden, grotesk geformten Kalksteinfelsen, die kreuz und quer aus dem Wasser ragen.
Ich bin froh dass ich damals diesen Abstecher gemacht habe, da ich Nordvietnam wegen der Verkürzung meines Trips auf keinen Fall mehr erreichen werde. Eigentlich wollte ich ja bis Mitte Juli bleiben, jetzt fliege ich schon am 29.6. von Phnom Penh aus nach Dhaka, um ein paar Tage später mein Praktikum in der Botschaft anzutreten.
In Phang Nga habe ich mich dann kurz entschlossen einem französischen Pärchen bei einer Bootstour angeschlossen (und wieder einmal hat es Spaß gemacht die Sprache zu können). Davon kann ich euch leider keine Bilder liefern, denn eine neue Kamera gabs erst in Bangkok. Allerdings habe ich mir eine Einwegkamera gaekauft und sparsam die 26 nicht überprüfbaren Analogbilder verschossen. Ich hoffe also die Bilder spätestens in Deutschland entwickeln zu können.
Der touristische - wenn auch nicht optische - Höhepunkt dieser Bootstour war ein Besuch der Insel aus James Bond - Der Mann mit dem goldenen Colt. Hier konnte man in etwa nachfühlen was viele südostasiatische Länder in der zweiten Hälfte des 20. Jhds durchgemacht haben müssen: Die Japanische Invasion! Nur dass diese sich heutzutage nicht mehr mit Kamikaze und Erschieschungskommandos, sondern mit Schildmützen, Sonnenschirmen, lautstarkem Turbosightseeing und affigem Fotoposing abspielt. Ich weis nicht was schlimmer ist...
Auf jeden Fall war diese berühmte Insel voller Souvenirshops und Besuchern aus aller Welt, die dem eigentlich hübschen Fleckchen jegliche Atmosphäre nahmen. Mit Mühe schaffte ich es, den Abdruck meiner Analogkamera zu drücken, ohne japanische Victoryfinger oder Grinsegesichter drauf zu haben. Obwohl ich den James Bond Film noch dunkel in Erinnerung hatte, konnte ich mir in diesem Moment beim besten Willen nicht vorstellen, dass Roger Moore hier vor einigen Jahrzehnten vor der Kamera stand.
Nach einer halben Stunde traten die Franzosen und ich entsetzt die Flucht an, und tauchten mit unserem Longtailboot wieder ein in die malerische Landschaft aus Kalksteinfelsen. Auf dem Rückweg machten wir noch eine Stop auf einem schwimmenden Dorf, wo wir in einem Restaurant garantiert importierte Gerichte zu uns nahmen.