Ich stellte erleichtert fest, dass die Straßen besser waren als erwartet. Oftmals mussten wir auf der wenig befahrenen Strecke zwar Kühen und Büffeln ausweichen, die es sich auf dem Asphalt bequem gemacht hatten, darüber hinaus behinderte aber nichts die Fahrt. Bei den zwei Pausen die wir zwischendurch machten, musste man sich entscheiden, ob man auf eine Toilette verzichten will, oder aber von den zahlreichen Verkäufern überrannt zu werden, die an den "Rasthöfen" ihre Produkte an den Mann bringen wollten. Oftmals befanden sich in den Körben wenig appetitliche Speisen wie geröstete Insektenarten. Keine Chance hiermit bei Westlern Profit zu machen, aber man versuchte es natürlich trotzdem. Bei diesen Stopps wurden außerdem den Motoren der Busse immer eine Ladung von drei Eimern Wasser verpasst. Diese Praxis beruhte offenbar auf reichhaltigen Erfahrungswerten, denn bei der unerbittlichen Hitze schien ein Ausfall der Technik nicht weit hergeholt.
Eine passende Unterkunft hatte ich schon vorher recherchiert, und so ließ ich mich vom Fahrer am OKAY Ghuesthouse, nahe des königlichen Palasts und des Tonle Sap Flusses absetzen. Ich investierte 10$ pro Nacht in ein geräumiges, klimatisiertes Zimmer mit Kabelfernsehen (auf dem ich allerdings nur einmal Star Wars reinzog). Am selben abend ging ich noch nach draußen und erkundete die nähere Umgebung. Die nahe gelegene, lange Uferpromenade am Tonle Sap River war hübsch und voller Leben. Vor dem Königspalast saßen auf dem Platz und in den angrenzenden Straßen unzählige Menschen, scheinbar oftmals Familien, auf dem Boden neben kleinen Ständen und aßen und unterhielten sich. Als ich auf dem Rückweg einige dieser Leute auf Kartons schlafend wiedersah, wurde mir klar, dass viele von ihnen hier "zuHause" waren und neben ihrer kleinen, zerbrechlichen Existenz auf dem Boden schliefen. Vor den Toren seiner Majestät...
Phnom Penh hat Charme. Mit etwas über einer Million Einwohner ist es die größte Stadt Kambodschas; trotzdem geht alles sehr gemächlich seinen Gang. Von der Hektik und dem Gedränge Bangkoks ist nichts zu spüren. Es macht riesig Spaß sich von einem der Mopedfahrer, die praktisch an jeder Straßenkreuzung als allgegenwärtiger Service zur Verfügung stehen, durch die Stadt fahre zu lassen. Der Verkehr besteht hauptsächlich aus Zweirädern, die sich langsam, aber stetig durch die schöne Stadt bewegen.
Für eine Mopedfahrt zwischen Kurzstrecke und quer durch die Stadt zahlt man 0,4-1,0 Dollar. Einmal auf einer Fahrt ist einem alten Opi, mit dem ich mich noch auf französisch unterhalten konnte, nach ein paar hundert Metern der Hinterreifen geplatzt. Besorgt begutachtete er den Schaden und entschuldigte sich vielmals für den Zwischenfall. Er habe den Reifen erst letzte Woche geflickt, versicherte er mir, und zuckte enttäuscht und etwas beschämt die Schultern. Ich gab ihm dann trotzdem den vollen Fahrpreis und hoffte, dass er den Schaden schnell beheben konnte... Insgesamt bin ich lieber mit den älteren Fahrern unterwegs geswesen. Diese wussten immer ein paar spannende Geschichten von früher zu erzählen, waren umgänglich und genügsam, und forderten keine überzogenen Transportpreise.
Auf dem Pflichtprogramm stand natürlich auch der Königspalast - ein Höchstaufgebot an Prunk, inklusive der berühmten Silberpagode. Ich löste ein Besucherticket und begab in den bis auf ein paar Gärtner fast menschenleeren Innenhof. Nach einiger Zeit wurde ich leider beim Fotographieren erwischt und musste für ein paar Dollar noch eine "Fotolizenz" nachkaufen. Hier die Ergebnisse dieser Ausgabe:
Im Anschluss besuchte ich noch das "Refugee Film Festival", das im französischen Kulturzentrum der Stadt stattfand. Gezeigt wurden Filme über persönliche Schicksale und Erlebnisse in der jüngsten, wenig friedlichen Geschichte des Landes. Ich habe "New Year Baby" gesehen, ein bewegender Film über ein Mädchen, das 1980 zum Neujahrstag in einem Flüchtlingslager an der thailändischen Grenze geboren wird, nachdem ihre Eltern vor dem Grauen im eigenen Land geflohen waren. In Amerika aufgewachsen, überredet das Mädchen 25 Jahre später ihre Eltern zu einem ersten Wiedersehen mit der Heimat Kambodscha, und konfrontiert sie damit schmerzvoll mit der eigenen Vergangenheit, die diese lange verdrängt hatten.
Witzig: Als ich ich für den Film anstand, haben in einem Nebenraum ein paar kleine Kambodschaner gerade Französischunterricht bei einer Omi gehabt.

















