Freitag, 26. Oktober 2007

Phnom Penh

Nach meinen ausgedehnten und anstrengenden Tempelbesichtigungen stand ich Mitte Juni auf dem staubigen Busbahnhof von Siem Reap und suchte nach einer geeigneten Verbindung in die Hauptstadt. Aufgrund meiner letzten Bootserfahrung in Kambodscha wollte ich doch mal den Landweg als Langstreckentransportmittel ausprobieren. Ich hatte Glück, denn fünf Minuten nach meiner Ankunft an der Bushaltestelle fuhr ein Bus nach Phnom Penh ab. Das klaprige Gefährt war bis auf den letzten Platz belegt, hauptsächlich von Einheimischen. Dementsprechend gering viel das Ticket von 4$ für die knapp 300km lange Strecke aus.
Ich stellte erleichtert fest, dass die Straßen besser waren als erwartet. Oftmals mussten wir auf der wenig befahrenen Strecke zwar Kühen und Büffeln ausweichen, die es sich auf dem Asphalt bequem gemacht hatten, darüber hinaus behinderte aber nichts die Fahrt. Bei den zwei Pausen die wir zwischendurch machten, musste man sich entscheiden, ob man auf eine Toilette verzichten will, oder aber von den zahlreichen Verkäufern überrannt zu werden, die an den "Rasthöfen" ihre Produkte an den Mann bringen wollten. Oftmals befanden sich in den Körben wenig appetitliche Speisen wie geröstete Insektenarten. Keine Chance hiermit bei Westlern Profit zu machen, aber man versuchte es natürlich trotzdem. Bei diesen Stopps wurden außerdem den Motoren der Busse immer eine Ladung von drei Eimern Wasser verpasst. Diese Praxis beruhte offenbar auf reichhaltigen Erfahrungswerten, denn bei der unerbittlichen Hitze schien ein Ausfall der Technik nicht weit hergeholt.
Die Panne blieb aus und nach fünf Stunden Fahrt kamen wir am zentralen Busbahnhof in Phnom Penh an. Man schaffte es kaum aus dem Bus zu steigen, denn die Masse der fahrwilligen Tutuk-Besitzer blockierte die Ausgänge völlig. Mühsam kämpfte ich mich durch den Pulk, steuerte auf einen abseits stehenden Fahrer zu, gab ihm ein Zeichen und ließ mich erschöpft auf die Rückbank des Dreirads fallen. Drei Sekunden später schmiss er den Motor an und steuerte mich aus dem Chaos der leer ausgegangenen Tuktukfahreren heraus, deren enttäuschte Blicke ich immer noch im Rücken spürte.
Eine passende Unterkunft hatte ich schon vorher recherchiert, und so ließ ich mich vom Fahrer am OKAY Ghuesthouse, nahe des königlichen Palasts und des Tonle Sap Flusses absetzen. Ich investierte 10$ pro Nacht in ein geräumiges, klimatisiertes Zimmer mit Kabelfernsehen (auf dem ich allerdings nur einmal Star Wars reinzog). Am selben abend ging ich noch nach draußen und erkundete die nähere Umgebung. Die nahe gelegene, lange Uferpromenade am Tonle Sap River war hübsch und voller Leben. Vor dem Königspalast saßen auf dem Platz und in den angrenzenden Straßen unzählige Menschen, scheinbar oftmals Familien, auf dem Boden neben kleinen Ständen und aßen und unterhielten sich. Als ich auf dem Rückweg einige dieser Leute auf Kartons schlafend wiedersah, wurde mir klar, dass viele von ihnen hier "zuHause" waren und neben ihrer kleinen, zerbrechlichen Existenz auf dem Boden schliefen. Vor den Toren seiner Majestät...



Phnom Penh hat Charme. Mit etwas über einer Million Einwohner ist es die größte Stadt Kambodschas; trotzdem geht alles sehr gemächlich seinen Gang. Von der Hektik und dem Gedränge Bangkoks ist nichts zu spüren. Es macht riesig Spaß sich von einem der Mopedfahrer, die praktisch an jeder Straßenkreuzung als allgegenwärtiger Service zur Verfügung stehen, durch die Stadt fahre zu lassen. Der Verkehr besteht hauptsächlich aus Zweirädern, die sich langsam, aber stetig durch die schöne Stadt bewegen.
Es war ein suchtförderndes Gefühl, sich gemütlich auf einem der tausend Mopeds transportieren zu lassen, und den Flair der Stadt in sich aufzusaugen. In Phnom Penh ist noch etwas übriggeblieben vom großen Charme der Khmerkultur und der französischen Kolonialzeit. Prächtig renovierte Paläste und Pagoden im Khmerstil wechseln sich mit alten Kolonialvillen ab. Die Stadt ist in großen Teilen in einem erstaunlich gepflegten Zustand. Trotzdem befindet man sich in der Hauptstadt eines Entwicklungslandes, und die armen Viertel und Behausungen sind oft nur einen Steinwurf von den Prachtbauten entfernt. Eine Ghettoisierung gibt es aber somit nicht. Ich habe mich immer sehr gern und sehr sicher auf den Straßen bewegt.
Für eine Mopedfahrt zwischen Kurzstrecke und quer durch die Stadt zahlt man 0,4-1,0 Dollar. Einmal auf einer Fahrt ist einem alten Opi, mit dem ich mich noch auf französisch unterhalten konnte, nach ein paar hundert Metern der Hinterreifen geplatzt. Besorgt begutachtete er den Schaden und entschuldigte sich vielmals für den Zwischenfall. Er habe den Reifen erst letzte Woche geflickt, versicherte er mir, und zuckte enttäuscht und etwas beschämt die Schultern. Ich gab ihm dann trotzdem den vollen Fahrpreis und hoffte, dass er den Schaden schnell beheben konnte... Insgesamt bin ich lieber mit den älteren Fahrern unterwegs geswesen. Diese wussten immer ein paar spannende Geschichten von früher zu erzählen, waren umgänglich und genügsam, und forderten keine überzogenen Transportpreise.

Auf dem Pflichtprogramm stand natürlich auch der Königspalast - ein Höchstaufgebot an Prunk, inklusive der berühmten Silberpagode. Ich löste ein Besucherticket und begab in den bis auf ein paar Gärtner fast menschenleeren Innenhof. Nach einiger Zeit wurde ich leider beim Fotographieren erwischt und musste für ein paar Dollar noch eine "Fotolizenz" nachkaufen. Hier die Ergebnisse dieser Ausgabe:



Im Anschluss besuchte ich noch das "Refugee Film Festival", das im französischen Kulturzentrum der Stadt stattfand. Gezeigt wurden Filme über persönliche Schicksale und Erlebnisse in der jüngsten, wenig friedlichen Geschichte des Landes. Ich habe "New Year Baby" gesehen, ein bewegender Film über ein Mädchen, das 1980 zum Neujahrstag in einem Flüchtlingslager an der thailändischen Grenze geboren wird, nachdem ihre Eltern vor dem Grauen im eigenen Land geflohen waren. In Amerika aufgewachsen, überredet das Mädchen 25 Jahre später ihre Eltern zu einem ersten Wiedersehen mit der Heimat Kambodscha, und konfrontiert sie damit schmerzvoll mit der eigenen Vergangenheit, die diese lange verdrängt hatten.
Witzig: Als ich ich für den Film anstand, haben in einem Nebenraum ein paar kleine Kambodschaner gerade Französischunterricht bei einer Omi gehabt.

Sonntag, 7. Oktober 2007

Vollayball in Kambodscha!


Hier habe ich mal ein besonderes Schmankerl für meine Freunde und Volleyballhalodris vom SVK B***. In Siem Reap, auf dem Heimweg von einer Angkortour, habe ich zufällig ein Volleyballspiel mitverfolgen können. Gespielt wurde auf einem Staubplatz mitten in der Stadt mit einem gemessen an den sonstigen Verhältnissen erstaunlich guten Netz.
Ich hätte nicht gedacht, dass Volleyball dort so populär ist, aber es waren etliche Zuschauer anwesend, die bei der Partie mitfieberten, und auch sonst habe ich in Kambodscha selbst in den ärmsten, ländlichen Regionen immer ein paar improvisierte Volleyballfelder gesehen.
Bei dem Match in Siem Reap ging es dann auch ordentlich zur Sache und die Jungs hatten eine ziemlich gute Technik. Verbissen wurde um jeden Ball gekämpft, und einmal entbrannte sogar eine minutenlange, hitzige Diskussion unter den Spielern. Mein Sporttreporter-Khmer ist zwar nicht das beste, aber ich glaube es ging um einen Übertritt am Netz. Ohne Linien und Slow-Motion-Kamera natürlich schwierig nachzuvollziehen. Schließlich einigte man sich dann doch, und die gegnerische Mannschaft durfte wieder aufschlagen.
Hier nun die Highlights der Begegnung im Überblick:




Hier noch ein Tipp an alle Eltern und die, die es mal werden wollen: Was sollte ein Kleinkind möglichst nicht machen, wenn es schon hinten auf einem Moped mitfährt?
Richtig, es sollte keinem Touristen hinterherschauen und um himmelswillen nicht anfangen zu winken!!!



In Wirklichkeit drohte vermutlich gar keine Gefahr, denn Asiaten sind eigentlich schon von Geburt an mit einer gültigen Zweiradlizenz und den dazugehörigen Überlebensinstinkten ausgestattet.

Im Bann von Angkor Wat

Da stand es also, das größte religiöse Bauwerk der Erde, das im 12. Jahrhundert von den Khmer nach astronomischem Wissen gebaut wurde. Oft hatte ich es auf Bildern gesehen, jetzt entfaltete es seine stolze Pracht vor meinen Augen. Schon jenseits des riesigen Wassergrabens, der die Anlage umgibt, kann man über die Mauern hinweg drei der fünf zentralen Türme erblicken. Auf der Hauptbrücke über den Graben schoben sich schon Trauben von Touristen durch einen der großen Zugänge in den Innenhof. Auch wenn sich bei den übrigen Tempeln das touristische Spektakel in Grenzen gehalten hatte, hat man bei dieser Hauptattraktion keine Chance auf einsamen Genuss.



Und doch entdeckte ich, auch aufgrund der Hitze von einer Abneigung nach Menschenansammlungen getrieben, eine alternative Route, die mir eine tollen Blick auf das Bauwerk bot. An dem Haupttor der Tempelmauern zweigte ich rechts ab und benutzte einen Seiteneingang (wo ich zwischen den Säulen stehe). Auf der anderen Seite herausgekommen sah ich zum ersten Mal die Frontansicht von Angkor Wat in voller Größe; allerdings war der Tempel immer noch einige hundert Meter entfernt. Zwischen Tempel und Außenmauer, neben dem leicht erhöhten Zugangsweg, auf dem sich fast alle Touris auf den Quell der Begierde zuschoben, befand sich ein ausgedehnter Garten.



Wieder einmal befand man sich an einem Ort, der eine idyllische Atmosphäre entfaltete, obwohl er als Hauptattraktion eigentlich von Schildern und Absperrungen dominiert sein müsste. Kultur auf kambodschanisch eben.
Als ich so durch den Garten den Tempel umrundete, fing ich ein Bild ein, das im Nachhinein aussieht, als wäre es aus einem Fabelbuch kopiert. Da stand mitten im knöchelhohen Gras mit gesenktem Kopf ein weißes Pferd. Keine Ahnung wie es dahin kam; auf jeden Fall fehlte ihm nur noch ein Horn auf der Stirn, und das Bild wäre perfekt gewesen.

Nachdem ich meinen Rundumgang beendet hatte, nahm ich doch noch den Tempel an sich in Angriff. Die zahlreichen, oft fast kniehohen Stufen, die auf die verschiedenen Ebenen des Tempels führen, gaben wir dann aber schnell den Rest. Der Anblick von oben war toll, die prächtigen Reliefs an den Wänden waren beeindruckend, aber vorallem war es heiß und drückend. Ich stolperte durch den Haupteingang zurück in den Innenhof. Auf dem Weg nach draußen kam ich an einem Teich vorbei und als ich mich noch einmal umsah, hatte ich plötzlich den Blick auf Angkor Wat, der auf so vielen Postkarten und Bildern verewigt wurde.


Als nächstes genoss ich dann im wohl einzig klimatisierten Gebäude von Angkor einen kalten Fruchtshake und klatschte mir ein nach Minze duftendes, kühles Tuch ins Gesicht, das man in besseren Restaurants immer an seinem Platz vorfindet.
Anschließend folgte ich dem Tipp eines Tuktuk-Fahrers und begab mich zu den Tempelruinen auf einem Berg in der Nähe, von wo aus man angeblich einen tollen Sonnenuntergang sehen kann. Leider war dieser Tipp alles andere als exklusiv, und an der Spitze des Berges erwartete mich eine Ansammlung von Menschen, die um jeden Quadratmeter kämpften. Für die besonders faulen Touristen gab es sogar ein Elefantenshuttle auf die Bergspitze. Zumindest aber die Aussicht rechtfertigte diesen Aufstieg in den Touristenhimmel.